Die Kendo-Europameisterschaft 2022 – ein Bericht mit Ergebnissen

Die Kendo-Europameisterschaft 2022

Vom 27. – 29. Mai 2022 fand die Kendo-Europameisterschaft in Frankfurt am Main statt. Das Großereignis war ein Neustart für das Europäische Kendo nach dem Auf und Ab der Corona-Zeit.

Drei Jahre liegt die letzte Kendo-Europameisterschaft zurück: Die Covid19-Pandemie traf Europa wenige Wochen vor der geplanten EKC 2020 in Kristiansand, Norwegen. Eine Woche vor dem angesetzten Termin musste die Europameisterschaft abgesagt werden. Reiserestriktionen und die örtlichen Hygienemaßnahmen machten das Abhalten der Meisterschaft unmöglich.

Der Wunsch nach einem großen Kendo-Event nach der langen Durststrecke war dementsprechend groß – in allen Ländern. „Wir alle hatten das Bedürfnis, dass es wieder losgeht“, sagt Stephan Hernschier, Vize-Präsident des DKenB. „Als die EKF den Wunsch an uns herangetragen hat, die EKC auszurichten, haben wir daher zugesagt. Als Verband möchten wir damit auch die eigenen Leute wieder aus dem „Corona-Schlaf“ holen. So ein Großereignis mit all der Vorfreude, der Vorbereitung und der Energie entwickelt eine eigene Dynamik, die bis in die Vereine hinein eine Anschubmotivation erzeugt.“

Nach Jahren des unregelmäßigen Trainierens, mit Lockdowns und wenigen bis gar keinen internationalen Kendo-Events, war die EKC 2022 die erste große Veranstaltung seit langem auf europäischem Boden. Dementsprechend groß war die Vorfreude der Kämpfer:innen, sich gegeneinander auszutesten und auf höchstem europäischem Niveau miteinander zu messen. 335 Kämpfer:innen aus 32 Ländern traten an – genauso viele wie vor der Covid19-Pandemie.

Unsicherheit begleitete die Vorbereitungsphase dennoch: Über die Pandemie hinweg wurden immer wieder Großveranstaltungen geplant, die schließlich doch abgesagt werden mussten. Ob und unter welchen Bedingungen die EKC 2022 stattfinden würde, war während der Organisation lange nicht klar. So fanden auf der einen Seite die Vorarbeiten für eine vollwertige Europameisterschaft statt, auf der anderen Seite erforderten sich ständig ändernde Rahmenbedingungen ein laufendes Anpassen, Umdenken und Von-vorne-Anfangen. Man sollte meinen, dass es „nach Corona“ leicht sein würde, eine Halle zu finden. Im September wurde jedoch die Buchung der ursprünglichen Halle in Düsseldorf storniert und ein neuer Austragungsort musste kurzfristig gefunden werden. Und das, obwohl der Zeitrahmen für die Organisation bereits deutlich kürzer als es normalerweise der Fall ist: Der übliche Zeitplan der Europäischen Kendo Föderation (EKF) gibt eine Zeitspanne von zwei bis drei Jahren vor, in dem die Planung und Durchführung der Europameisterschaft stattfindet. Im Fall der EKC 2022 war diese Spanne auf ein Jahr verkürzt.

Die Unsicherheit der Corona-Zeit hielt bis wenige Monate vor der EKC an. Erst im Frühjahr konnte fix davon ausgegangen werden, dass die Europameisterschaft stattfinden würde. Vor allem das Ende der Final Entry brachte für den DKenB die große Erleichterung. „Mit dem Anmeldeschluss sahen wir, dass über 500 Teilnehmer:innen angemeldet waren – ein wirklich großer Zuspruch. Als im Jahr davor in der EKF Generalversammlung beschlossen wurde, die EKC 2022 anzugehen, war die Zustimmung einstimmig, aber noch etwas verhalten“, erinnert sich Stephan Hernschier. „Mit der Final Entry haben wir gesehen: Es funktioniert. Es werden viele Kämpfer:innen kommen.“

Zeitgleich brach jedoch der Krieg in der Ukraine aus, was die Organisation zusätzlich herausforderte: Die Halle, die ursprünglich als Aufwärm-Halle eingeplant war, wurde zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. So musste kurzfristig in der Wettkampf-Halle ein weiterer Boden verlegt werden, der ein Aufwärmen sowie das Goodwill Keiko ermöglichte.

„Der Deutsche Kendobund hat eine große Herausforderung auf sich genommen: Eine Kendo-Europameisterschaft in einem so kurzfristigen Rahmen und in Zeiten, die Monat für Monat komplizierter wurden, auszutragen, ist nicht leicht zu schultern“, betont Dieter Hauck, Präsident der Europäischen Kendo Föderation. „Mit dieser Europameisterschaft hoffen wir, die dunklen Lande der Pandemie zu verlassen und im Sinne der Philosophie des Kendo Friede und Wohlstand unter allen Menschen zu fördern.“

Auch für die EKF bedeutet die EKC als Neustart viel: „Aus unseren Statistiken geht hervor, dass die meisten Länder Mitglieder verloren haben – und das in einem Ausmaß von 20 bis 30 Prozent“, erläutert EKF-Präsident Hauck. „Als Verband ist es uns daher wichtig, alles daranzusetzen, die Europameisterschaften wieder zu ermöglichen – in Kendo, Iaido und Jodo. Seit Gründung des Verbands und dem Stattfinden der ersten Kendo-Europameisterschaft im Jahr 1971 stellte die Covi1d9-Pandemie den größten Bruch in der Austragung unserer europäischen Meisterschaften dar.“

Die „Nachwehen“ der Pandemie waren während der EKC noch zu spüren: In der Halle galt Maskenpflicht und im Men musste ein Faceshield getragen werden. Andererseits konnten nicht nur die Wettkämpfe „wie gewohnt“ stattfinden, auch eine Delegation aus Japan kam zum ersten Mal seit über zwei Jahren nach Europa, um die EKC anzuleiten. Sie ermöglichten, dass Prüfungen zum 6. und 7. Dan abgehalten werden konnten – ein Bereich, in dem sich über die Pandemie ein enormer Rückstau gebildet hatte. 68 Prüflinge zum 6. Dan und 42 Prüflinge zum 7. Dan stellten sich der Herausforderung. Dass die FIK-Delegation mit Sicherheit kommen würde und die Prüfungen daher abgehalten werden konnten, stand auch erst knapp zwei Monate vor der EKC fest.

Es kostete viele Nerven, Zeit und Energie, die EKC unter diesen Rahmenbedingungen zu veranstalten. Doch am Ende glückte es: Die Stimmung war phänomenal und allen Kämpfer:innen war die Freude darüber, alte Freundschaften aufleben zu lassen und sich international auszutauschen, deutlich anzumerken. Nur anfangs war die lange Corona-Pause noch spürbar. Waren die Kämpfe in den Pools noch verhalten, steigerte sich das Zusammenspiel der Teams rasant über die ersten Kämpfe. Nach wenigen Runden kamen die Kämpfer:innen in ihren „Flow“ und es zeigte sich ein fantastischer Einsatz über alle Ebenen – trotz unterschiedlicher Voraussetzungen, die sich in den Kämpfen durchaus auch zeigten: Manche Länder hatten lange Lockdowns und viele Monate ohne Trainingsmöglichkeiten, während andere die Corona-Trainingspause kürzer halten konnten.

Nun gilt es, das Gelernte mit nach Hause zu bringen für die Weiterentwicklung und Zukunft des europäischen Kendos.

 

FUN FACT

  • Der am weitesten gereisteste Helfer kam aus Tokio: Erik Jeremis! Vielen Dank!

 

Ergebnisse der EKC 2022 in Frankfurt am Main:

Wir gratulieren allen Gewinner:innen herzlichst zu ihrer Leistung und hoffen, dass alle Kämpfer:innen Spaß hatten sowie viel gelernt haben. Natürlich möchte der Deutsche Kendobund nochmals die Leistung des deutschen Nationalteams hervorheben und sich mit ihm über den Medaillenregen während des Heimspiels freuen.

Junioren Einzel

1. Luka Ilić (SRB)
2. Toru Adeyinka (GBR)
3. Finn Spilarewicz (GER) / Nico Medina Wolpert (ESP)

Kampfgeistpreis
Thais Kimura (CHE)
Beatrice Sutaite (LTU)
Adrien Ambrosi (FRA)
Takeshi Boffa (BEL)

Junioren Team

1. Serbien
2. Frankreich
3. Polen/Schweiz

Kampfgeistpreis
Harrison Fry (UK)
Nico Medina Wolpert (ESP)
Takumi Henry-Viel (FRA)
Tomasz Boroń (POL)

Frauen Einzel

1. Freija D’Hont (BEL)
2. Rosanna Ogle (GBR)
3. Alina Gdeczyk (POL) / Lisa Van Laecken-Koga (BEL)

Kampfgeistpreis
Alisa Strupp (GER)
Asteria Akila (GRC)
Biljana Stanojevic (SER)
Fleur Smout (NED)

Frauen Team

1. Frankreich
2. Deutschland
3. Finnland/Polen

Kampfgeistpreis
Lyna Maaziz (FRA)
Natela Amkoladzė (LTU)
Sofia Ade (GER)
Alessia Garino (ITA)

Männer Einzel

1. Lucas Przewlocki (FRA)
2. Konradus Rukas (GBR)
3. Kensaku Maemoto (BEL) / Hiroyuki Ohno (GER)

Kampfgeistpreis
Koichi Nakabayashi (FRA)
Nikola Roglic (SER)
Triantafyllos Lytras (GRC)
Dai Linh Nguyen (NED)

Männer Team

1. Frankreich
2. Italien
3. Polen/Deutschland

Kampfgeistpreis
Joonas Nissinen (FIN)
Sylvain Chodkowski (FRA)
Alejandro Radó Gayá (ESP)
Sorin Mocanu (ROM)

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Die folgenden Bilder wurden von Miyoko Ota erstellt. Demnächst werden alle Bilder der EKC2022 zur Verfügung gestellt.